Freitag, 30. September 2011

Alles Land von Jo Lendle


Alles Land schrieb Wegener neben seine Bilder, als er sie sortierte. Welche , die nur Schnee und Eis zeigten und solche , die auch Land hatten unter dem Eis.

Alfred Wegener, entschied sich schon als Kind forschen zu wollen und nachdem er dann zum ersten Mal am Polarkreis war, machte er diese Exkursionen zu dem Wichtigsten in seinem Leben, wichtiger als die Liebe, wichtiger als die Familie und selbst wichtiger als mögliche weitere Veröffentlichungen.
Aber wie kommt man dazu freiwillig in Eis, Schnee und Kälte auszuharren und letzendlich darin umzukommen? Wie gestaltet sich ein solcher Entschluß ? Vielleicht war es das Vermächtnis an seinem Bruder, den er als Kind einen Schneeball zum Abschied auf das Grab legte, weil der Bruder beim Schlittschuhlaufen einbrach.
Seine Frau und seine Töchter waren es nicht mit denen er den Sinn für das Eisige teilte.
Zwar folgte Else ihn quasi bis nach Dänemark, aber mit ihr hatte er eigentlich eher eine Gegenwelt aufgebaut , sein Eichhörnchen , bei der es des Jahr für Jahr weiblicher zuging.- Eine Tochter nach der anderen wurde geboren.
Nach dem Krieg blieb er erstmal bei ihr , veröffentlichte ein Buch über die Erdplattenbewegung und wechselte die Universität und ging dann wieder nach Grönland , weil er es nicht anders auhielt.
Alfreg Wegener, der 19. Jahrhundert zu einem der wichtigsten Begründer der Geologie wurde, hatte sich sein Leben scheinbar nicht ausgesucht, wie er das gerne gehabt haben wollte, obwohl es so scheint, denn er entschied sich im gewissen Sinne immer wieder für das Eis und die Gefahr. Aber haben Menschen wirklich die Wahl oder werden sie in irgendweiner Form getrieben ? - Denn schon in der zweiten Exkursion litt Wegener immens unter den extremen Bedingungen.



Für Jo Lendle schien diese Fragestellung nicht unbedingt der wichtigeste Gesichtspunkt beim Schreiben gewesen zu sein, wie vielleicht auch für Alfred Wegener beim Erleben damals auch nicht. Falls Wegener selbst so unbewußt handelte, d.h, dass er einfach ging , weil das aus beruflichen Gründen so anstand, so war das dann trotzdem entsprechend konform zum Zeitgeist jenes Jahrhunderts.
Aber das macht dann auch das Besondere dieses Romans aus, der auch vom Erzählerischen oft eher an das 19.Jahrhundert anknüpft, - in seiner Form ,in seinem erzählerischen Stil,bei der die Kunstfertigkeit schon in die Nähe vergleichbare Prosa aus diesem vergangenen Jahrhundert kommt; dicht, real, genau beschreibend -das Leben einer Person , die postum erst berühmt wurde und die in der Eisigkeit umkam.Alfred Wegners Theorie von der Drift der Kontinente wurde erst drei Jahrzehnte nach seinem Tod anerkannt.

JO Lendle


Jo Lendle ,1968 geboren, lebt in Köln , hatte hingegen bereits mehrfache Erfolge als Schriftsteller. Zunächst mit der Kosmonautin wurde er bekannt, dann folgten mein letzter Versuch die Welt zu retten und jetzt: Alles Land, erschien in der ersten Septemberwoche 2011.

Foto Mc. June/Pixelio