Donnerstag, 6. Oktober 2011

Eine Skizze der Vergangenheit


Virginia Woolf


"Er liebte bestimmt leidenschaftlich, sie anfangs eher passiv. Und durch diese Beziehung hatte ich meine ersten Vision- sie war so intensiv, so aufregend, so hinreißend, dass das Wort Vision darauf zutrifft-,meine erste Vision also von Liebe zwischen Mann und Frau.

Sie war für mich wie ein Rubin, diese Liebe, die ich im Winter ihrere Verlobung entdeckte, glühend,rot, klar und intensiv... Es war etwas körperloses, ein Licht, eine Verzückung, aber auch von aussergewöhnlich langer Dauer... Dieses Rosige , diese Glut waren in Stellas ganzem Körper. Ihre Blässe wurde durchglüht, ihre Augen wurden blauer. Sie hatte in jenem Winter etwas wie Mondlicht um sich, wenn sich im Haus herumbewegte.
`So etwas hat es auf der Welt noch nie gegeben`, sagte ich- oder so etwas Ähnliches-, als sie mich eines Nachts schlaflos fand."


Virginia Woolf, die Feder wittert die Fährte, eine Skizze der Vergangenheit

Autobiografisches von Virginia Woolf (Erinnerungen an die Jugend und Kindheit (1882-1941), welches erst als letztes aller Bücher von ihr , posthum 1976 veröffentlicht wurde.