Montag, 21. November 2011

Bankster- Banken...Gangster .... eben Bankster


Spaetestens nach der Frankfurter Buchmesse ist es auch bis nach Deutschland vorgedrungen, dass Island eine beherzte Lesenation ist.
Die Insel fernab vom Zentrum Europas hat viele Winterabende zu fuellen und so ist ein Buch doch immer eine attraktive Gesellschaft.

Wie es ansonsten dort zugeht, vermittelt neuere Literatur.
Eines der einschneidensten Erlebnisse fuer Islaender war die Bankenkrise von 2008, die die Bevoelkerung voellig unerwartet traf. Die Auswirkungen gingen bis in das Private, was fuer Deutschland mit seiner konstanten Arbeitslosigkeit nichts Ueberraschendes ist, aber fuer Island, welches als oekonomisch stabil und abgesichert Terrain galt, kam dieser Schock unerwartet, dass er , der Schock, sich gleich mehrfach in Literatur umgesetzt hat, etwa bei Kristof Magnusson, Steinar Bragi und eben auch Gudmundur Oskarsson, um nur einige der Autoren zu nennen.

Gudmundur Oskarsson, gleich mit mehreren islaendischen Literaturpreisen ausgezeicht, zeichnet kein mystisches , sondern eher ein sozialrealistisches, humorvolles Bild eines Paares, welches durch die Finanzkrise die Arbeit wechseln musste bzw. verliert.


Das Alltagsleben, das als ein ruhiges und harmonisches erscheint, wird durch die Entwicklungen erfasst, wobei die beiden Lebenspartner eigentliche kaum die Ursachen erkennen.
Fassunglos bleibt er in seiner Wohnung zurueck, Gemaelde verkaufend und immer noch hoffend , seine Frau an den gemeinsamen Orten der Vergangenheit widerzufinden, wo sie gluecklich Momente der Partnerschaft verbrachten.

Der Stil Oskarssson ist lebendig, orginell, jung und gekonnt. Laengere Satzkonstruktionen reihen sich aneinander, vom Leser fast unbemerkt, weil Aussagen und Empfindungen sich in spruehender Direktheit wiederfinden, und so die Komplexibilitaet zum Reiz , zum Anreiz wird und nichts Verstaubtes hat, wie etwa auch Google und Foren ihren literarischen Einzug halten in den Roman.

So ist denn dieses Werk auch eine gute Erungenschaft fuer Menschen , die nicht unbedingt auf dieser Insel wohnen und andere koennen sich wiederum mit Oskasson verbruedern an einen der langen Winterabenden ,eingemummelt an der warmen Heizungen sitzend, um sich der langanhaltenden Kaelte der Natur zu widersetzen.
Und selbstverstaendlich ist es auch ein Buch fuer Bankster(Baenker,Ganster), die in diesem Buch weniger ihrem Berufsalltag finden , sondern sich eher konfrontiert sehen mit den persoenlichen Effekten einer sich ausufernden Finanzkrise.

Gudmundur Oskarsson, Bankster, 2011